Bericht im Bayrischen Fernsehen



Das Bayrische Fernsehen war für Dreharbeiten über das Kasettl und der Unterinntaler Tracht bei mir zu Gast.

Der Beitrag wurde am 01. September 2019 im Hauptabendprogramm um 20.15 in der Sendung Musik in den Bergen vom BR-Fernsehen ausgestrahlt.


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Bericht im Magazin die Unterlandlerin


 

Bericht im Pronto Pro Blog


Traditionen sind für Menschen wichtig. Sie zeigen, die Entwicklung einer Kultur, ehren das Vergangene und verbinden es mit dem Neuen. Ein äußeres Zeichen für Traditionen sind Trachten, die zumindest zu besonderen Anlässen getragen werden. Jedes Land und jede Region hat ihre eigene Tracht und es gibt Schneider, die sich auf die Fertigung von Trachten spezialisiert haben und zum Teil ihr Wissen in Workshops weitergeben.

Wir wollten etwas mehr über diese besonderen Kleidungsstücke und ihre Bedeutung erfahren und haben mit der 53-jährigen Trachtenschneiderin Christine Ehrenstrasser aus Tirol gesprochen. In Mariastein geboren, hat sie heute ihren Betrieb in Angerberg und lebt mit der Ausübung ihres Berufes ihre Leidenschaft.

Ihr Interesse am Schneiderhandwerk wurde bereits in ihrer Schulzeit geweckt, weshalb sie im Anschluss an die Schule eine Ausbildung als Herrenkleidermacher absolvierte. Nach 2 Jahren Praxis legte sie dann die Meisterprüfung als Damenkleidermacher ab. Während ihrer Ausbildung entdeckte sie die Liebe zu den Trachten.

Nach der Ausbildung war sie dann für einige Firmen als Schnittdirektriece tätig, bevor sie sich vor 20 Jahren entschied, sich mit einer Maßschneiderei als Meisterbetrieb selbstständig zu machen, wobei sie sich besonders auf den Bereich Trachtenmode spezialisierte. Sie arbeitet in ihrer Werkstatt allein und fertigt inzwischen nur noch Original Tiroler Trachten, Kasettl und Dirndlbekleidung – von traditionell bis einzigartig.

Aus ihrer Leidenschaft zur Tracht entstand zudem noch zusätzlich ihr Angebot als Kursleiterin von Trachtennähkursen für den gesamten Bezirk Kufstein.

Christine, warum ist es wichtig, dass die Tradition der Trachtenmode nicht verloren geht? Worauf freust du dich am meisten bei deinen Kursen?

Als Trachtenschneiderin gilt meine Passion jenen Kleidungsstücken, die nicht nur ihre Trägerinnen und Träger schmücken, sondern auch Botschafter einer Region und deren Brauchtum sind. Eine Tracht zu tragen zeigt den Bezug zum Heimattal, wo wir geboren und aufgewachsen sind, oder wo wir hingezogen sind und bleiben möchten. Das versuche ich als Trachtenschneiderin meinen Kunden zu vermitteln. Auch ist mir besonders wichtig die Originalität zu erhalten und der Originaltracht beim Überleben zu helfen.

Wenn das Tragen der Tracht früher Bekenntnis zum Stand war, so soll es heute die innere Einstellung ausdrücken, die Verbundenheit mit unserer wunderbaren Heimat, den Bräuchen, dem Dialekt und vor allem der Tiroler Volkskultur.

Die Vielfalt der verschiedenen Trachten zu erarbeiten ist eine große Herausforderung für mich. Der Zusammenhalt und die Freundschaften, die im Laufe eines Kurses entstehen sind für mich immer ein besonderes Erlebnis. Große Wertschätzung empfinde ich, wenn Teilnehmerinnen sich nochmals für einen nachfolgenden Kurs anmelden, um ein weiteres Trachtenstück zu fertigen.

Es ist mir auch wichtig, dass mein Handwerk, das Nähen, wieder in den Familien und Haushalten praktiziert wird. Zudem macht es mir Freude mit den eigenen Händen etwas zu schaffen und in unserer schnelllebigen Zeit etwas herzustellen was Beständigkeit hat.

Es ist schön zu sehen, wenn eine Mutter für ihr Kind ein Trachtenstück näht und dadurch auch schon bei der jüngsten Generation ein Bezug zur Tracht hergestellt wird. Besondere Freude bereitet mir, wenn junge Leute meine Kurse besuchen und ich dadurch sehe, dass die Tradition Tracht zu tragen weiterlebt.

 

Warum ist die Trachtenbekleidung spezifisch zu nähen? Muss man ein gewisses Vorwissen im Bereich Nähen haben, bevor man an einem deiner Kurse teilnimmt, oder können das auch die absoluten Anfängerinnen machen?

Es sollten schon Nähkenntnisse vorhanden sein, da die Stoffe sehr hochwertig sind und die Passform natürlich exakt sein soll. Eine gewisse Ausdauer ist auch erforderlich, da sehr viel Handarbeit dahinter steckt. Das ist ja, das Markenzeichen der Tiroler Trachten.


 

Wie sieht das Kursprogramm aus? Wie lange dauert ein Kurs? Stellst du die notwendigen Materialien zur Verfügung oder sollten die Teilnehmerinnen diese selbst mitbringen? Woraus besteht ein Trachtenkleid und aus welchen Materialien wird sie gefertigt?

Ich veranstalte für jeden zugänglich allgemeine Trachtennähkurse in Tirol im Bezirk Kufstein. In diesem Kurs haben Sie die Möglichkeit ein Kasettl oder verschiedene Festtags- Werktagstrachten selber herzustellen. Diverse Änderungen von Trachten sind auch möglich.

Die Kursdauer beträgt bis zu 8 Abende zu je 4 – 5 Stunden. So ergibt sich, dass die Kurse 2 Monate zu 1 Abend in der Woche dauern. Die maximale Teilnehmerzahl liegt bei 12 Personen.

Ja, die Materialien sind bei mir erhältlich. Es sind sehr hochwertige und teure Stoffe die meistens aus Seide, Wolle, Baumwolle, oder Leinen bestehen. Eine Tracht begleitet dich dein Leben lang und deshalb verwende ich dafür nur Material von allerbester Qualität aus einheimischer österreichischer Erzeugung.

 

Was kostet ein Kurs bei dir? Können die Termine einzeln bezahlt werden? Sind die Kurse immer in Gruppen oder kann man auf Wunsch einen individuellen Kurs machen?

Die Kurskosten richten sich nach dem jeweiligen Trachtenstück  z.B. eine Tracht 180 €, ein Kasettl 300 €. Das sind nur die Kosten für den Kurs also ohne Material und Zuschnitt.

Eine Anzahlung ist erforderlich. Die Kurse sind immer in Gruppen. Aus terminlichen Gründen sind leider individuelle Kurse nicht möglich.


Selbst genäht ist noch schöner

Sicher kann man Trachtenkleidung kaufen, denn das Angebot ist vielfältig. Aber gerade ein Kleidungsstück, das nicht jährlich ausgetauscht wird, sondern ein Begleiter für viele Jahre sein soll, gewinnt zusätzlich an Bedeutung, wenn man es selber näht und ganz individuell nach den eigenen Vorstellungen gestalten kann. Besonders viel Freude macht diese Arbeit in einem Kurs, in dem man nicht nur unter Anleitung arbeitet und somit viele Fehler vermeiden kann, sondern sich auch mit anderen Kursteilnehmern austauschen und gegenseitig inspirieren kann. Vielen Dank an Christine Ehrenstrasser für ihre Zeit und die vermittelten Eindrücke zur Trachtenschneiderei.


 

Bericht im Magazin die Schneiderin


Mode und Styles kommen und gehen, der regelmäßig gefeierte „letzte Schrei“ ist Ausdruck von Schnelllebigkeit und nicht zuletzt im Interesse der Gewinnmaximierung einer Textilindustrie, deren fragwürdiger Umgang mit Menschen und Umwelt zunehmend auf berechtigte Kritik stößt.

Umso lohnender ist es, vitales überliefertes Mode-Handwerk aus Österreich neu zu entdecken. Eine Anwältin für „G’wand“ mit Geschichte ist die Tirolerin Christine Ehrenstraßer. Als Trachtenschneiderin gilt ihre Passion jenen traditionellen Kleidungsstücken, die nahezu in allen Weltgegenden, von Mexico bis Finnland, von Korea bis Rumänien nicht nur ihre Trägerinnen und Träger schmücken, sondern auch Botschafter einer Region und deren Brauchtum sind. „Eine Tracht zu tragen zeigt den Bezug zur Landschaft, in der wir geboren und aufgewachsen sind oder wo wir hingezogen sind und bleiben möchten. Das versuche ich als Trachtenschneiderin meinen Kunden zu vermitteln“, kleidet Christine Ehrenstraßer ihre Beweggründe, die Tracht als Kulturgut lebendig zu halten, in Worte und setzt Taten: neben je nach Wunsch gefertigten Originalen aus der reichen Fülle klassischer Tiroler Vorlagen, von der berühmten Alpbacher Tracht bis zum Festtags-Kasettl, gibt sie ihr Wissen zudem in äußerst nachgefragten Hands-on-Kursen an Interessierte weiter.



Was aber macht die Tracht, was macht Kleidung, die in ihrer kanonisierten Erscheinungsform an vergangene Jahrhunderte anknüpft, auch heute noch so faszinierend? Wie entstand, gerade im Alpenraum, diese Vielfalt an Formen und Farben, die heimische und internationale Designer wie Susanne Bisovsky, Kenzo oder Vivienne Westwood inspirierten und inspirieren?


Ein Blick in die Geschichte lohnt. Waren vor allem die unteren Stände, Leibeigene und Bauern, rigiden Kleiderordnungen, wie jener Ferdinand I. aus dem Jahr 1552, unterworfen, die nur bestimmte Materialien und eine auf Erdtöne reduzierte Farbauswahl zuließen, so änderte sich dies ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Jean-Jaques Rousseaus philosophisches Credo des „Zurück zur Natur“ und die Ideen der Aufklärung rückten die alten Vorschriften soweit in den Hintergrund, dass diese von den österreichischen Herrschern Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II. nicht mehr exekutiert wurden.

Parallel dazu entwickelte sich ein starkes Interesse des Adels am Rustikalen, so ließ sich Marie Antoinette von der aufgrund ihres Einflusses auf die Königin auch „Ministerin der Mode“ genannten Schneiderin Rose Bertin Roben à la tyrolienne anfertigen. Die Französische Revolution machte den edlen Schäferspielen ein Ende, die Begeisterung für das „Ländliche“ blieb aufrecht. In diesem Klima entstehen nun bis in die 1830-er Jahre, ausgehend von herkömmlichen Kleidungsbestandteilen wie dem Kittel oder der Kniehose, die heute bekannten traditionellen und auf einzelne Landschaften verweisenden Trachten.
All das, was den Vorfahren untersagt war, bis hin zu Gold- und Silberfäden oder Seide findet nun Verwendung, die aufkommende Textilindustrie ermöglicht mit maschinell hergestellten Stoffen und Zubehör auch weniger vermögenden Schichten den Zugriff auf eine immer weiter wachsende Material-Palette.


Spannend sind die Einflüsse der Mode jener Zeit, findet sich der Zylinder in abgewandelter Form als Frauenhut zum Kasettl oder spiegelt sich die biedermeierliche Farbenlust in den reich bestickten Miedern, Bauchgurten und Joppen, den Schürzen und bunten Tüchern wider.


Am Beispiel des nach wie vor klassischen Paisley-Musters für den zur Unterinntaler Festtagstracht getragenen „Doppelschal“ lässt sich ablesen, wie die weite Welt ins Alpenland kam: mit dem bekannten Blattmotiv bestickte indische Kaschmirtücher begeisterten die britische Hautevolee, Weber im schottischen Paisley fertigten die gemusterten Stoffe aus heimischer Wolle, ihre böhmischen Kollegen taten es ihnen gleich und lieferten ihre kostbare Ware bis in Tiroler Täler.

 

 Eine Tracht begleitet dich dein Leben lang und deshalb verwende ich dafür nur Material von allerbester Qualität aus einheimischer österreichischer Erzeugung.  

 

 Beweis dafür, dass die Tracht als einer Region zuzuordnende Kleidung auch gerne über den Tellerrand, oder vielmehr über die Berggipfel geschaut hat. Schwere Zeiten wie die Vereinnahmung von „Heimat“ und damit auch der Tracht durch den österreichischen Ständestaat und den Nationalsozialismus, 50-er Jahre Dirndl-Kitsch und die verwegenen Kreationen zeitgenössischer Diskonter-Oktoberfest-Mode gilt es mitzudenken, um den Blick für diese Traditionskleidung und deren umfassende Finesse zu schärfen. Weil: „Tracht kann in ihrer Vielfältigkeit Ausdruck höchster Individualität sein“, wie der österreichische Schauspieler, Autor und überzeugte Lederhosen-Anhänger Miguel Herz-Kestranek meint.

Zurück ins Tiroler Unterland und zu einem Kleidungsstück, dem die besondere Aufmerksamkeit der Trachtenschneiderin Christine Ehrenstraßer gilt: dem Kasettl oder „Röcklgwand“. Diese schwarze Festtagstracht, die im Unterinntal, in Teilen Salzburgs und Oberbayerns verbreitet ist, wurde und wird traditionell erstmals bei der Hochzeit und später zu hohen kirchlichen Anlässen getragen.


Aufwendige Goldstickereien an Halstuch und an der Unterseite des zylinderartige “Kasettl“-Hutes, die bestickte Ausschnittblende, die tief angesetzten Ärmel mit Zierbesatz machen diese Tracht zu einer Kostbarkeit und zur willkommenen Herausforderung für die Trachtenschneiderin und ihre Kursteilnehmerinnen. Arbeit die sich lohnt und eine Tracht, die das Zeug hat, zum Familienerbstück zu werden.


Bericht im Magazin Lust auf Kufstein